Wolfgang Baxrainer, Aquarellist Hier erfahren Sie alles, wirklich alles über die Aquarellmalerei - von den Grundlagen bis zu unglaublichen Praxis-Tipps und Tricks

Realistisch oder abstrakt?

Soll ich nun eher realistisch oder abstrakt malen?

Das muss jeder für sich selber entscheiden, dazu kann und will ich keine Ratschläge geben. Obwohl ich selbst ein großer Freund des Abstrahierens bin. Wichtig (und richtig) ist aber, dass es Ihnen gefällt.

Abstraktion hat nicht zwangsläufig mit "Gegenstandsloser Kunst" zu tun, wenngleich diese häufig so bezeichnet wird. Und mit gegenstandsloser Malerei habe ich rein gar nichts zu tun, obwohl meine Mischpalette zuweilen an diese Art der Malerei erinnert.

Was versteht man nun eigentlich unter Abstraktion in der Malerei? Sehr stark vereinfacht kann man sagen, dass die Abstraktion die Konzentration auf das Wesentliche ist. Alles Überflüssiges wird eliminiert oder abgeschwächt. Abstrakte Malerei ist Malerei, die nicht versucht, eine genaue Darstellung einer visuellen Realität zu schaffen, sondern Flächen, Formen, Linien und Farben verwendet, um ihre Wirkung zu erlangen.

Für mich heißt das, dass man als Maler vorab in der Lage sein muss, sein Motiv realistisch malen oder zeichnen zu können – um in weiterer Folge Unwesentliches zu vernachlässigen oder gar wegzulassen. Aber auch andersrum ist es möglich. Meiner Erfahrung nach gelingt es aber nur wenigen, sich von der gegenständlichen Form zu lösen um das Motiv konsequent zu vereinfachen. Und das ist sehr schwierig.

Eines steht für mich eindeutig fest: Erst wenn man mit seinem Material umgehen kann, wenn man also die Technik des Malens einigermaßen beherrscht, kann man sich vorsichtig an die Abstraktion wagen. Man kann dann versuchen, freier und lockerer zu malen. Mit einer gewissen maltechnischen Sicherheit macht es dann auch richtig Spaß.
Ich bin jedenfalls der Meinung, dass die Malerei Freude machen soll. Daher sollte es auch mal erlaubt sein, Neues zu versuchen, auch mal unbefangen zu experimentieren. Auch wenn die Ergebnisse nicht immer gleich ausstellungsreif sind.

Gerade die Aquarellmalerei sehe ich als fabelhafte Möglichkeit, seine Grenzen auszuloten. Die Grenzen sind ja nicht starr vorgegeben, man kann sie ganz bewusst überschreiten. Manchmal ist das auch gut – es kann aber auch daneben gehen. Ich bin immer auf der Suche nach dem richtigen Weg – und der kann – abhängig vom Motiv – immer anders sein. Und wenn man sein Material (Farben, Pinsel, Papier) kennt, kann man auch mal verschiedene Techniken auszuprobieren.

Auch ich experimentiere innerhalb der Aquarelltechnik sehr gerne. Denn immer bei einer erfolgreichen "Masche" zu bleiben (vielleicht, weil es der Markt gerade so verlangt) ist mir persönlich einfach zu langweilig. Manchmal führt das auch zu interessanten Resultaten, es kann aber auch sein, dass das Ergebnis für die Mülltonne ist.

Hin und wieder lese und höre ich so markige Sprüche wie "man muss aus dem Bauch heraus malen", oder "es muss nicht alles richtig sein" oder speziell beim Aquarell: "man muss die Farben nur fließen lassen". Auch das ist vollkommen in Ordnung, solange es den Leuten Spaß macht. Ich kenne aber viele, die später mit dem Wunsch kommen, endlich "richtig" malen zu lernen. Und das beginnt mit dem Kennen und Beherrschen der Grundlagen – und verlangt nach regelmäßigem und konsequenten Üben…